
Über Brauchtum, Masken und deren Symbolik
Ich habe mich zwar auf Krampusmasken spezialisiert, schnitze aber auch sehr gerne andere Brauchtumsmasken. Hier sehen Sie einige davon und können mehr über deren Bedeutung erfahren.
Der Krampus
Der Krampus ist der traditionelle Begleiter des Heiligen Nikolaus am 5. und 6. Dezember. Während der Nikolaus die braven Kinder mit Schokolade, Nüssen und Mandarinen belohnt, bestraft der Krampus die schlimmen Kinder mit Rutenhieben oder er steckt sie gar in seine Butte und nimmt sie mit in die Hölle. So wurde und wird es Kindern zumindest oft als Erziehungsmaßnahme erzählt. Der Krampustag ist am 5. Dezember und um diesen herum finden in ganz Österreich und einigen Nachbarländern Krampusläufe statt.
Die klassische Krampusmaske ist rot, hat ein Paar Hörner und eine lange Zunge. Das aber auch nur in der Theorie, denn der Interpretation einer Krampusmaske sind heute nahezu keine Grenzen mehr gesetzt. So findet man auf Krampusumzügen allerhand verschiedene Masken, von teuflisch-menschlichen Köpfen bis hin zu von Hollywood inspirierten Horror Masken. Die Masken werden aus Holz geschnitzt oder sie bestehen aus Plastik, Silikon oder Alu-Guss. Seit neustem gibt es auch Krampusmasken aus dem 3D Drucker, wovon ich als Schnitzer mich aber distanziere.
Die Ausrüstung des Krampus besteht aus Maske, Fellanzug, Hörnern und Zubehör wie Rute und Glocken.
Früher waren die Anzüge einfach aus Stoff, Fellresten oder Kartoffelsäcken gefertigt, heute gibt es hunderte Varianten an Echtfell-Ganzkörper Anzügen.
Die Hörner stammten früher vorallem von heimischen Tieren, heute werden sie aller Welt importier oder Kunststoffversionen genutzt.
Fellanzüge aus Ziegen-, Schafs- oder Hirschfell, oft mit zusätzlichen Details wie Pferdeschweifen, komplettieren das Kostüm, dazu gehören Birkenrute und Glockengurt.
Fälschlicherweise werden viele Krampusläufe als Perchtenläufe bezeichnet, dies lässt sich vorallem auf Unwissenheit der Medien und der Masse zurückführen. Denn Perchten unterscheiden sich von Grund auf von Krampussen und treten nur in den Rauhnächten auf. Viele Krampusgruppen veranstalten "Rauhnachtsläufe", diese haben aber nichts mit Brauchtum zu tun, sie dienen meist kommerziellen Zwecken.
Perchtenbrauch und Perchtenmasken
Die Perchten treten in den 12 Rauhnächten zwischen 21. Dezember und 5. Jänner in Erscheinung. Das wilde Aussehen der Schiachperchten soll böse Geister, sowie das alte Jahr vertreiben. Beim traditionellen Perchtenlaufen, bei dem die Gestalten mancherorts von Haus zu Haus ziehen soll Haus und Hof der Einwohner vor Unheil bewahrt werden. Im Gegenzug erhalten die Perchten oft Entlohnung in Form von Schnaps oder Bewirtung. Aber sie treten auch in Gruppen, welche „Pass“ genannt werden an Umzügen auf. Dort treiben sie durch Springen, was ihre Schellen erlauten lässt, den Winter aus. Schiachperchtenpassen werden bei Umzügen auch oft von Figuren wilder Tiere, wie Hase, Dachs oder Hirsch oder von Hexen begleitet. Diese sollen ebenfalls für verschiedene Eigenschafen, wie Fruchtbarkeit und Naturverbundenheit stehen.
Die „moderne“ Perchtenmaske ist meist aus Zirbenholz geschnitzt und hat oft einen rustikalen, animalischen und verzehrten Ausdruck. Anders als bei der Krampusmaske, besitzt die klassische Perchtenmaske kaum menschliche Züge. Der Mund erstreckt sich oft über die ganze Gesichtsbreite, was es möglich macht, einige Masken mit einer „Klappmaul“ Funktion Auszustatten. Hierfür wird das Kiefer vom Restlichen Teil der Maske abgetrennt und mit Scharnieren wieder befestigt, was beim Springen und bewegen des Kopfes ein „Auf und Zugehen“ des Mundes ermöglicht.
Die meisten Masken sind mit 2 Paar Ziegen- und einem Paar Widderhörner ausgestattet, allerdings gibt es auch Einzelstücke mit weitaus mehr Paaren. Traditionsgemäß sollen die Hörner nur von in Österreich lebenden Tieren stammen und sie sollen so an der Maske angebracht sein, wie sie am Tier gewachsen sind.
Farblich sind die Masken meist schlicht gehalten. Schwarze oder dunkelbraune Beize als Basisfarbe, die Augen und Zähne sind meist in einem gebrochenen weiß und Lippen und Zahnfleisch dunkelrot. Natürlich gibt es da durch die künstlerischen Gestaltungsmöglichkeiten eines Schnitzers auch Ausnahmen und Abweichungen.
Leider werden heutzutage die Meisten Krampusläufe fälschlicherweise als Perchtenläufe bezeichnet, obwohl dort gar keine echten Perchten zu sehen sind.
Frauen-Krampusmasken
Eine eher neumoderne Interpretation von Krampusmasken sind weibliche Krampusmasken, auch "Weibsdeifl" genannt. Sie sind nicht in der Tradition verwurzelt, erfreuen sich aber dennoch einer immer größer werdenden Beliebtheit.
Tod-Masken
Egal ob auf Perchten, Krampus oder Faschingsumzügen, der Tod ist tief im Maskenbrauchtum verwurzelt und nahezu überall anzutreffen. Totenkopf- oder Totenmasken sind im Brauchtum oft ein Symbol für den Tod und das Vergängliche.
Sie sollen die Menschen an Sterblichkeit erinnern und böse Geister vertreiben.
Hexen-Masken
Hexenmasken sind im Brauchtum tief verwurzelt und gehen oft auf vorchristliche Vorstellungen von Dämonen und Naturgeistern zurück.
Mit ihren Besen sollen sie für Reinigung sorgen und böse Geister sowie negative Energien vertreiben. Hexen findet man auf Perchtenläufen, Faschingsumzügen und vorallem auf Umzügen zur Walpurgisnacht.
Klaubauf-Masken
Der Klaubauf ist eine regionale Brauchtumsfigur in Osttirol und Teilen Kärntens, die vom 4. bis 6. Dezember mit dem Nikolaus auftritt und dem Krampus ähnelt.
Er trägt Maske, Pelz und Glocken und sorgt in Gruppen für lauten Lärm, wenn er nach dem Nikolaus Häuser oder Veranstaltungen betritt. Die Klaubauf-Masken ähneln meist Totenköpfen oder Affen-Gesichern.
Das „Tischziagn“ ist ein zentrales und besonders spektakuläres Ritual des Klaubauf-Brauchs. Bei diesen öffentlichen Veranstaltungen versuchen Teilnehmer, meist Jugendliche, einen Tisch gegen die anstürmenden Klaubaufe zu verteidigen. Wird der Tisch erobert, kommt es zu kurzen, ritualisierten Kräftemessen, bei denen die Beteiligten einander greifen, drehen und zu Boden bringen. Diese Auseinandersetzungen folgen bestimmten Regeln, wirken jedoch oft sehr wild und körperbetont. Früher fand das Tischziagn in Privathäusern statt, heute wird es aus Sicherheitsgründen öffentlich auf abgesperrten Plätzen durchgeführt und von Ordnern überwacht. Trotz dieser Maßnahmen bleibt ein gewisses Verletzungsrisiko bestehen, was den Brauch zugleich faszinierend und umstritten macht.
Faschings-Masken